Kritik Musikverein:
(Die Presse) 09.05.2006
Maxim Vengerov demonstrierte, was ein echter Solist ist
Wüsste man nicht, dass Maxim Vengerov, der international gefeierte Star, aus freien Stücken den Großen Musikvereinssaal betritt, könnte man meinen, Mozarts Adagio E-Dur sei für ihn eine lästige Aufwärmübung. Klavierbegleiterin Lilya Zilberstein würdigt er keines Blickes. In Beethovens c-Moll-Sonate ist Vengerovs zentrales Anliegen dann keinesfalls der schöne Violinklang, sondern forcierte Tongebung. Dem Geist der Komposition entwachsen Vengerovs eruptive Gebärden, feurige Risikobereitschaft. Dank der Widerstandsfähigkeit der "Ex-Kreutzer"-Stradivari hat man das Auditorium im Finale soweit zum Kochen gebracht, dass nicht einmal das Wegtragen einer bewusstlos gewordenen Zuhörerin die beiden Musiker aus ihren unterschiedlichen Welten reißen kann.
Sergej Prokofieffs f-moll-Sonate und Préludes von Schostakowitsch als perfekt und mit Leichtigkeit servierter Showdown: Vengerovs solistische Präsenz lässt das Auditorium jubeln. Die erste Zugabe beginnt früher als die Pianistin sitzen kann. War da noch jemand? isb
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